Der Pakt mit der Schere

Datum

Ort Hotel Heiden

Über die Wintermonate stellt Iris Mäderaus Roscharch in unserem Hotel ihre Werke aus.

Lassen Sie sich begeistern, welch eindrückliche Kunstwerke allein mit Papier und unter Verwendung von handelsüblichen Nagel- und Hautscheren gefertigt werden können.

 

Porträt Iris Mäder-Luchsinger

Iris Mäder-Luchsinger wurde 1950 in Rorschach geboren und machte dort in der Schulzeit Bekanntschaft mit dem Scherenschnitt, insbesondere als ihre Grossmutter die Zehnjährige mit einfacher Kränzchen-Technik vertraut machte. Schon damals zeigte sie Freude am Zeichnen, Gestalten und Kreieren. In ihrem Bekanntenkreis wurde ihr Talent bald erkannt, so wurde sie stets angefragt um für Familienanlässe Tischkärtchen und andere Dekorationen zu gestalten. Nach Anfängen im Linol- und Batikdruck fertigte die Autodidaktin 1980 auf Anregung ihrer Schwester einen Scherenschnitt für die Geburt ihres zukünftigen Patenkindes an, womit ihre Laufbahn als Scherenschneiderin ihren Anfang nahm: „Der Pakt mit der Schere war geschlossen.“ sagt Mäder-Luchsinger und deutet damit eine beinahe verschwörerische Verbundenheit mit dem Werkzeug wie auch dem Scherenschnitt selbst an.

Mit ihrer Schwester diskutiert sie jeweils auch ihre Ideen und Fantasien, bevor sie zu schneiden beginnt: „Da ich nicht alles aufzeichne, ist sie jeweils sehr überrascht, was realisiert und was ich anders umgesetzt habe, als dies in unserm Gespräch zfadegschlage wurde.“ Der Scherenschnitt also als gedankliches Gemeinschaftsprojekt, dessen Ausführung dann aber wortwörtlich in Mäder-Luchsingers Hand liegt.

Sie besuchte das Lehrerseminar in Rorschach und unterrichtete in den Kantonen St.Gallen, Zürich und Thurgau als Primarlehrerin. Nach der Heirat war sie 20 Jahre an der Musikschule in Mörschwil tätig. Neben der Arbeit, ihren Zwillingen, Sport und weiteren Hobbys fand sie aber immer auch Zeit für ihr kreatives Schaffen, das ihr einen Ausgleich zu ihren vielfältigen Aktivitäten bot.

Als Linkshänderin benutzt sie zum Schneiden ausschliesslich Haut- und Nagelscheren, dies allerdings mit der rechten Hand. Regelmässige Ornamente und geometrische Wiederholungen finden sich selten in ihren Arbeiten, die Symmetrie bildet somit kein Grundelement in ihren Bildern. Auch Wiederholungen, Spiegelbilder oder Regelmässigkeiten trifft der Betrachter nicht in ihren Schnitten an. Vielmehr sind es zarte Verästelungen, räumlich verschachtelt anmutende Anordnungen („Kerze“) und verspielte Formfindungen, welche den formalen Aufbau und auch die wie leichthändig hingewürfelt wirkende Grundstimmung der Schnitte prägen. Sorgfältig beobachtete Pflanzenformen („Blumenkalender“), Kinderfiguren aus vergangenen Zeiten („Kinder im Blatt“) und immer wieder Schrift in Form von Sprüchen oder „Zwischentiteln“ direkt in den Schnitten („Weihnacht – Sprüche“) durchziehen als wiederkehrende Bildelemente ihre Schnitte, die den Lebens- und Jahreszyklen folgen. Die Scherenschnitte von Iris Mäder-Luchsinger nehmen Themenkreise wie Geburt, den Zyklus der Jahreszeiten, Tierkreiszeichen, die Natur, Tiere, Kinder und die Musik auf. In dem Schnitt „Von der Geburt bis zum Tod“ besinnt sie sich neben einer Versammlung all dieser Motive auch auf das mit der Grossmutter gespielte Leiterlispiel. Über das Jahr hinweg sammelt sie Gedanken und Ideen, um beispielsweise eine Weihnachts- und Neujahrskarte zu gestalten, die eine Firma bei ihr in Auftrag gegeben hat. Mit viel Geschick, Fantasie, Zufall und Geduld wird der Scherenschnitt dann in 50 bis 80 Arbeitsstunden hergestellt.

1992 beteiligte sie sich an der 3. Schweizerischen Scherenschnittausstellung in Winterthur, in Bad Pfäfers 1999. Ihre Scherenschnitte zierten bereits die Wände des Altersheims Steinegg in Degersheim und in Steinach, das Puppenmuseum in Wil, die Rathausgalerie in Goldach, das Appenzeller Volkskunde Museum Stein, die Kantonalbank in St. Gallen, ein Haus für Kultur in Schwellbrunn und viele weitere Einrichtungen.

Mäder-Luchsingers zweite Leidenschaft gilt – wie es sich in der steten Wiederkehr von Musiknoten und Schriftzeichen in den Scherenschnitten schon angedeutet hat – der Kalligraphie.

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